Kugelsternhaufen M 55
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Jeder Kugelsternhaufen hat seine Besonderheit, so
auch M 55. Dieser Kugelsternhaufen ist einer der am lockersten gruppierten
seiner Art. Der berühmte Astronom H. Shapley wollte 1930 M 55 nicht mal in
seinem Katalog von Kugelsternhaufen aufnehmen. Die geringe Entfernung von
nur 18.000 Lichtjahren trägt dazu bei, die Ansammlung von Sternen relativ
lose erscheinen zu lassen. Die Entdeckung des Kugelsternhaufens kann
Lacaille für sich verbuchen, er sah das Objekt 1751/52 bei seiner Reise
rund um das Kap der guten Hoffnung. Über 25 Jahre später war es dann auch
für Messier so weit. Er beobachtete M 55 im Jahre 1778 und beschrieb ihn
als Nebel mit weißen Fleck.
Visuelle Beobachtung
Für mitteleuropäische Verhältnisse zählt M 55 zu den
schwierigeren Kandidaten unter Messiers Liste. Die geringe Horizonthöhe und
die für einen Kugelsternhaufen relativ geringe Flächenhelligkeit erschweren
die Beobachtung. Die visuelle Helligkeit wird zwar mit 6.3 mag angegeben,
aber dieser Lichtstrom verteilt sich auf einen Kreis mit 2/3
Vollmonddurchmesser. Unter einem klaren Südhimmel dagegen ist M 55 sogar
schon mit bloßem Auge gesehen worden. Wegen der großen Ausdehnung von M 55
sollte man von unseren geografischen Breiten aus trotz des Horizontdunstes
zunächst eine Optik mit möglichst kleiner Vergrößerung und großem
Gesichtsfeld versuchen. In erster Linie kommt natürlich ein Feldstecher in
Frage, denn die binokulare Wahrnehmung hilft bei solchen Objekten ungemein.
Selbst in kleineren Refraktoren bis 4 Zoll Öffnung wäre dieser
Kugelsternhaufen am Rande relativ gut auflösbar, diese Sterne ertrinken
aber ev. im Horizontdunst. Meist wird man mit solchen Öffnungen froh sein,
das Objekt überhaupt sehen zu können. Gerade mit kleineren Teleskopen
sollte man sich nicht scheuen, die Vergrößerung bis zum sinnvollen Maximum
zu treiben. Das Bild wird zwar deutlich dunkler, aber die Chancen steigen,
einige Sterne von M 55 aus dem Dunst herausfunkeln zu sehen. In kleineren
Teleskopen hat M 55 fast noch den Charakter einer dichten Sternansammlung.
Erst in größeren Teleskopen ab 10", wenn die Zahl der sichtbaren Sterne
deutlich ansteigt, hat man wirklich den Eindruck eines famosen
Kugelsternhaufens. Gerade die vergleichsweise lockere Struktur macht M 55
aber so interessant in der Klasse der Kugelsternhaufen. Es gibt eine Fülle
von Sternketten und dunkleren Bereichen in M 55 zu beobachten.
Fotografie
Für mitteleuropäische Breiten ist M 55 kein Objekt,
das man auf seine Liste setzen müßte. Bei Urlaubsreisen in südlichere
Gefilde sollte man sich aber wieder an M 55 erinnern. Selbst auf Fotos mit
relativ kurzen Brennweiten bis 135mm zeigt sich schon die Natur des
Kugelsternhaufens und mit moderaten 500mm Brennweite ist M 55 schon ein
prachtvolles Objekt.
Karl Thurner
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