Kugelsternhaufen M22
Aufnahme: 43 kB
Aufsuchkarte: 101 kB
Nur 2.5 Grad nordöstlich von Lambda Sagitarii und
noch recht nahe der galaktischen Ebene liegt der Kugelsternhaufen M22. Die
erste Sichtung wird A. Ihle aus dem Jahre 1665 zugeschrieben. Im übrigen
ist M 22 der erste Kugelsternhaufen, dessen wahre Natur erkannt wurde. Die
Gesamtzahl seiner Sterne wird auf über 500.000 geschätzt. Außerdem ist er
mit 10.000 Lichtjahren Entfernung einer der nächsten Kugelsternhaufen
überhaupt. Noch vor dem berühmten M 13 ist M 22 die imposanteste
Erscheinung, die wir an Kugelsternhaufen von unseren nördlichen
geographischen Breiten sehen können und der dritthellste Kugelsternhaufen
(neben Omega Centauri und NGC 104) überhaupt.
Visuelle Beobachtung
Unter günstigsten Bedingungen (gute Transparenz der
Atmosphäre) läßt sich M 22 mit 5.2 mag und 24 Bogenminuten Durchmesser auch
von unseren geographischen Breiten mit dem bloßen Auge warnehmen. Daß er
dennoch oft übergangen wird, liegt an seiner südlichen Deklination und der
Nähe zum galaktischen Zentrum, das eine ganze Reihe weiterer interessanter
Objekte zu bieten hat. Dabei genügt ein beliebiges, kleines Fernglas (und
sei es auch nur ein kleines Opernglas) und ein Streifzug durch den
östlichen Schützen, um zwangsläufig irgendwann über M 22 zu stolpern. Er
ist das hellste Objekt in dieser Gegend. Mir dient M 22 oft als
Orientierungspunkt, um zu anderen Messierobjekten zu gelangen. Schon mit
einem 4-Zöller ist M 22 teilweise auflösbar, denn die hellsten Sterne
besitzen 11. Größenklasse. Jeder 6-Zöller löst M 22 nahezu bis ins Zentrum
auf, weil er keine nennenswerte Sternkonzentration in der Mitte besitzt.
Seine ganze Pracht entfaltete dieser Kugelsternhaufen allerdings erst, wenn
er in südlicheren Breiten aus dem Horizontdunst steigt und zu dem Funkeln
der hellen Sonnen das sanfte Glühen der schwachen Hintergrundsterne tritt.
Bei höheren Vergößerungen zerfällt der Kugelsternhaufen in einzelne,
markante Sternketten und auffällige Bereiche mit weniger Sternen. Wie M 15
enthält auch M 22 einen kleinen planetarischen Nebel (GJJC-1), der für den
Amateur praktisch jedoch unbeobachtbar ist.
Fotografie
Auf der fotografischen Seite würde ich unbedingt
empfehlen, auch die Umgebung des Kugelsternhaufens mit einzubeziehen. M 22
liegt im Umfeld heller Milchstraßenwolken, die einen besonderen
ästhetischen Anblick bieten. Wenn sich Objekte so tief am Horizont befinden
wie M 22 von unseren geographischen Breiten aus, dann sollte man die
Belichtungszeit deutlich reduzieren im Vergleich zu Objekten in Zenitlage.
Der Horizont ist immer leicht aufgehellt und hinterläßt meist einen
grünlichen Schimmer auf Farbfilmen. Wer den Kugelsternhaufen in
Einzelsterne auflösen möchte, muß schwerere Geschütze auffahren und sollte
mit mindestens 400 mm Brennweite arbeiten.
Karl Thurner
© Copyright 1994-2002 Martin Birkmaier / Intercon GmbH / D-86154 Augsburg