Cirrusnebel, NGC 6960/6992-5 uvm.
Aufnahme: 76 kB, Detlef Hartmann, Berlin
Aufsuchkarte: 182 kB
Im südlichen Flügel vom Sternbild
Schwan befindet sich der Cirrusnebel, ein Supernovaüberrest, der am
Himmel fast drei Grad groß erscheint. Die hellsten Teile wurden schon
1784 von William Herschel visuell entdeckt und haben NGC-Nummern, aber
auch die Filamente mit IC- und anderen Katalognummern sind visuell und
fotografisch erfaßbar. Der rund 30.000 Jahre alte Nebel ist 1300
Lichtjahre von der Sonne entfernt. Für die Wissenschaft ist der Cirrus
bis heute ein Rätsel. Bei diesem hellen Supernovarest ist weder der
Zentralstern noch eine andere Strahlungsquelle gefunden wurde, die den
Nebel zum Leuchten anregt. Wahrscheinlich ist die Supernova bei der Explosion
völlig zerrissen worden und die Energie das Leuchten des Nebels stammt
aus dem Zusammenstoß der expandierenden Gasmassen mit dem interstellaren
Gas.
Visuelle Beobachtung
Der Cirrus hat in den letzten 25 Jahren
eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Einst galt das Objekt als visuell
kaum erfaßbar und nur den Fotografen vorbehalten. Dann wurde er von
den visuellen Beobachtern sozusagen "entdeckt". Heute fragt man sich, warum
der Cirrus früher für so schwierig gehalten wurde. Wenn man die
Position kennt, ist der nördliche Bogen NGC6992-5 unter Landhimmel
im 7x50 Fernglas als zarter Bogen zu sehen. Mit Nebelfiltern wird der Bogen
schon im 7x50 deutlich sichtbar. Der Cirrus ist ein typisches OIII Objekt,
d. h. ein Nebelfilter (UHC oder OIII Filter) bringt eine erhebliche Verbesserung
im Kontrast. Mit Filter ist der Nebel in allen Optiken ein leichtes und
detailreiches Objekt, wobei ein normaler Landhimmel für die meisten
Filamente ausreichend ist. Im Vierzöller sieht man den "Sturmvogel"
NGC 6960 bei 52 Cyg und "Pickerings Triangular Wisp" zwischen den beiden
NGC-Objekten. Mit 8 Zoll und OIII wird der Cirrus zu einem der detailreichsten
Objekte am Himmel. Alle Nebelteile zerfallen in zahlreiche Filamente. Mit
einem großen Spiegel unter sehr guten Bedingungen geht die Zahl der
beobachbaren Einzelheiten in die Hunderte! Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen
und unterschiedliche Vergrößerungen auszuprobieren. Mit 4 oder
5 mm Austrittspupille hat man den besten Gesamteindruck, für kleine
Details sind höhere Vergrößerungen besser, z. B. 100fach
im Achtzöller.
Fotografie
Da der Cirrus sehr groß am Himmel
erscheint, kann man mit normalen Teleobjektiven gute Bilder machen. Das
Fernrohr wird als Leitfernrohr benutzt, die Kamera sitzt obendrauf (Piggyback).
Die besten Ergebnisse erzielt man mit gehypertem TP 2415 und einem Rotfilter
vor dem Objektiv. Lang genug belichten! Z. B. 30 Minuten mit 135mm f/2,8.
Noch ein Trick: Man nimmt einen Farbfilm, belichtet 30 Minuten mit dem
Filter, nimmt das Filter dann vorsichtig ab und belichtet noch 10 Minuten
ohne Filter weiter. Das Ergebnis ist verblüffend!
Stefan Schuchhardt
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