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Marsbeobachtung

Allgmeine Beobachtungshinweise

Generell ist der Mars hell genug für alle noch so kleinen Kaufhausteleskope. Jeder sollte zumindest den Versuch wagen, wärend der Oppositionszeit den Mars zu beobachten. Die Größe wärend einer solchen Opposition kann beim Mars stark variieren. Bei der letzten Opposition wurde der Mars immerhin knapp über 25" groß. Das wird er auf absehbare Zeit nicht mehr haben. Bei der nächsten Opposition 2005 sind es gerade mal etwas über 20 Bogensekunden.

Um das Maximum an Details zu sehen, muß man auch die maximal sinnvolle Vergrößerung an seinem Teleskop bestimmen. Diese Vergrößerung ist zum einen natürlich vom Teleskopdurchmesser abhängig, aber auch von der Luftunruhe. Als erster Anhalt mag die Faustformel für die maximal förderliche Vergrößerung dienen:

Max. förderl. Vergr. = Teleskopdurchmesser in Millimeter mal 1.4

Bei dieser Vergößerung können die meisten Beobachter alle von der Optik gelieferten Details gut erkennen. Unter geeigneten Bedingungen (sehr gute Optik, gutes seeing) kann man auch etwas über diese Vergrößerung auch hinausgehen (max. 2x), wobei der Zugewinn an Informationen gering ist. Oftmals wird die Vergößerung aber ganz einfach durch die Luftunruhe begrenzt. Viele Beobachter werden schon bei rund 200-facher Vergrößerung den Eindruck haben, daß das Bild unstetig und verschwommen wirkt. Höhere Vergößerungen bringen dann keinen Zugewinn an Informationen mehr. Im Gegenteil: Das Bild erscheint kontrastärmer und verwaschener.

Den Einfluß des seeings kann man natürlich nur grob abschätzen. Es zeigt sich in jeder Nacht verschieden und ist auch sehr stark vom Beobachtungsort abhängig. Eine "Hausaufgabe" die man also vor der Opposition zu erledigen hätte, wäre den Einfluß des seeings für seine Standortbedingungen abzuschätzen. Das heißt nichts anderes, als die maximal sinnvolle Vergrößerung an seinem Teleskop für seine Standortbedingungen auszuprobieren.

Leider kann man die Atmosphäre nicht ausschalten. Zumindest das lokale seeing aber kann man etwas beeinflussen. Deshalb hier noch ein paar allgemeine Tips:

Generell ist es nicht einfach, auf Mars überhaupt Strukturen zu sehen, von der Polkappe mal abgesehen. Die orange, gelbe oder ockerfarbene Oberfläche zeigt auf den ersten Blick nur wenig Details. Selbst erfahrene Beobachter haben ihre liebe Mühe, geduldig aus dem Wabern der Atmosphäre, die Einzelheiten herauszulesen. Untenstehende Sequenz soll exemplarisch den Einfluß der Atmosphäre verdeutlichen. Die Aufnahmen stammen aus einem Bilderstrom einer Webcam zu verschiedenen Zeitpunkten und sind ohne jeglich Nachbearbeitung. Die Auswirkungen des seeings sind ganz unterschiedlich und können sich sowohl in einer Verzerrung als auch einer Unschärfe bemerkbar machen. Zeitweise verhindert die starke Luftunruhe das Erkennen von Details fast vollständig. Dabei wurden die Aufnahmen in einer Nacht mit für mitteleuropäischen Verhältnissen recht guten Bedingungen gewonnen. Übrigens sind die Bilder hier wie bei einem Refraktor üblich kopfstehend.

Bild 1 Bild 2 Bild 3 Bild 4

Daneben sieht man auch, daß die Kontraste auf der Marsoberfläche tatsächlich nicht sehr hoch sind. Eine weitere Erscheinung ist der auffällig farbige Rand (oben Rot, unten Blau), der sich auf die atmosphärische Refraktion zurückführen läßt.

Umso verblüffender sind immer wieder die Zeichnungen und Fotografien die man in eingschlägigen Quellen findet. Zumindest ein Hilfsmittel ist in in vielen Fällen im Spiel: Farbfilter. Damit gelingt es, die verschiedenen Albedostrukturen und Atmosphärenerscheinungen besser erkennen zu können. Farbfilter sind aber auch kein Allerheilmittel. Der Kontrastgewinn ist viel kleiner als die meisten Beobachter erwarten oder erhoffen. Daneben bedarf es einiger Beobachtungserfahrung und Geduld, um von Farbfiltern überhaupt zu profitieren. Besser ausnutzen kann man die Farbfilter durch Einsatz eines Filterrades. Der schnelle Wechsel erleichtert das Erkennen der Kontrastunterschiede in verschiedenen Spektralbereichen.

Günstig für die Albedostrukturen sind Rot- und Orangefilter, die in diesem Spektralbereich am kontrastreichsten erscheinen. Die dunklen und kontrastreichsten Rotfilter sind allerdings den größeren Teleskopen vorbehalten. Ansonsten würde das Bild zu dunkel werden und das Erkennen von Details erschweren. Der Gelb- und Grünfilter dient der Beobachtung von sogenannten "Gelben Wolken" (Sand- und Staubstürme), Eisnebel und Reif. Das "Blue Clearing" ist ein noch nicht ganz verstandener Effekt der Marsatmosphäre und kann mit einem Blau- oder Violettfilter beobachtet werden. Dabei werden um den Oppositionszeitpunkt für einige Tage die Albeostrukturen auch im blauen Spektralbereich sichtbar. Manchmal zeigen sich in einem Blaufilter auch hohe Eiswolken, sogenante orographische Wolken (an Bergen aufsteigende und auskondensierende Feuchtigkeit) oder auch Morgendunst. Die Polkappen produzieren hin und wieder auch Dunstfelder, die im Blauen zu sehen sind.

Blau Grün Rot RGB

An obiger Darstellung der RGB-Kanäle läßt sich sehr schön das unterschiedliche Aussehen des Marses in den verschiedenen Spektralbereichen nachvollziehen.

Eine ausführliche Zusammenstellung aller relevanten Details zur Marsbeobachtung finden Sie auch im Interstellarum-Begleiter Mars.

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